Freitag, 1. September 2017

31.8.17 Ein ganz spezieller Tag

Heute Nacht schlief ich super. Um 8 ging ich nach draußen, Neli, die gute Seele des Hauses machte mir einen echt afrikanischen Kaffee und zeigte mir das Anwesen. Es gibt sogar ganz viele eigene Bananenbäume! Und Hühner. Dann trank ich den Kaffee bis mich Godfrey um halb 9 abholte. Wir fuhren zu seinem Haus, immer noch gehobene Klasse für Tansania, aber nicht mehr für deutsche Verhältnisse. Seine Frau begrüßte mich total lieb, sie hatte schon Frühstück vorbereitet. Godfrey frühstückt wie ich, Obst, Brot (immerhin das dunklere) und es gab meine geliebten frittierten Kochbananen!

Gegen 10 brachte er mich zu seiner Kirche, ich musste diverse Personen begrüßen und mich ins Gästebuch eintragen. Dann übernahm Pastor Moses, auch ein sehr liebenswerter Mann. Wir fuhren zu verschiedenen Pfarreien seiner Gemeinde und er zeigte mir, was unter anderem mit dem Geld aus Selb dort gemacht wird. Zunächst ging es in zwei Kindergärten, in denen das Porridge zum Frühstück von Selb gesponsert wird. Ich wurde überall super lieb begrüßt, war mir schon fast peinlich! Im ersten gings in eine Kindergartenklasse. Vom Geräuschpegel her waren Ferien, doch als wir durch die Tür traten, wurden wir schon mit einem Lied begrüßt. Wahnsinn die Kids sind zwischen 3 und 6 und sitzen da in ihren Schuluniformen mucksmäuschenstill in den kleinen Schulbänken! Dann gabs ne Runde Händeschütteln, langsam sind sie aufgetaut, echt putzig! Und unglaublich brav!

Nach einem Foto mit allen fuhren wir zur nächsten Vorschule. Da lernen die kleinen schon die ersten englischen Wörter. Jeder wollte einmal Lehrer spielen. Dazu gings nach vorne zu einem handgemalten Plakat, z.B. mit Obst oder Gemüse drauf und dann wurden die englischen Namen gesagt. Und immer brav im Chor wiederholt! Ich sorgte für etwas Verwirrung, als ich um die Version in Swaheli bat, neue Aufgaben sind hier nicht so einfach. Sie kennen aber echt schon viele englische Wörter, besser sind deutsche Kinder nach der Grundschule sicher auch nicht! Die Kids hier waren deutlich weniger schüchtern. Dazwischen gabs immer wieder auch englische Lieder mit passenden Bewegungen und fast alle machten fleißig mit.

Von hier fuhren wir zurück zur Hauptkirche. Dort gibt es eine Schneiderklasse für ältere Mädels. Die ersten Nähmaschinen dafür stammen aus Selb. Und immer noch werden die genutzt, ohne Strom. Ich würde sagen die Mädels hier sind vo 16 aufwärts, auch Musliminnen könen hier teilnehmen. Alle zahlen ein kleines Schulgeld, dafür beherrschen sie am Ende einige verschiedene Schnitte und können mit einer gemieteten Nähmaschine selbst Geld verdienen. Sie zeigten mir ganz stolz ihre echt tollen Werke und waren teils echt heiß auf Selfies!

Von dort fuhren wir zum Mittagessen in ein Hotel an der Küste, ich hatte ein sehr leckeres Curry. Dann zurück und Godfrey übernahm wieder. Er hatte mit  einer privaten Boarding School gesprochen, die ich anschauen durfte. Mein Timing war nicht das beste. Morgen beginnen 2 Wochen Ferien, heute morgen waren daher überall Prüfungen und in den öffentlichen Schulen war nachmittags kein Mensch mehr. Anders im Internat am Arsch der Welt. Es war zwar kein Unterricht mehr, aber die Jungs waren noch da. Unglaublich, alle ware mit putzen beschäftigt. Liebe Schülerlein in Deutschland, könnt ihr euch das vorstellen: Die Jungs zwischen 13 und 17 putzen alles immer selber! Klassenzimmer, Lehrerzimmer, Schlafsäle, Toiletten, dazu wäscht auch jeder seine Wäsche! Außerdem ist hier alles durchgetaktet: Aufstehen um 5, eine Stunde lernen. Frühstück, um halb 8 beginnt der Unterricht. Mit Pausen bis in den Nachmittag. Dann ist wohl etwas Freizeit, wobei da eben auch geputzt werden muss. Abends noch mal 1,5h lernen, bevor um 10 das Licht ausgeht! Und wehe ein einziger beschwert sich nochmal über etwas Hausaufgaben!!!

Von der Schule gings wieder in die Stadt, wo wir uns mit zwei weiteren Mitarbeiternder Kirche trafen. Dort bekam ich auch noch ein ganz anderes Projekt zu sehen. Man verteilt an Menschen ohne Strom, auch an viele Masaidörfer Solarlicht. Das Paket besteht aus einer Solarzelle  mit großer  Batterie und Lichtquelle. Daran kann man noch weitere Lichter mit viel Kabel für andere Räume anschließen, auch verschiedenste Handyladekabel sind dabei. Klasse Sache. Die Dinger werden aber nicht verschenkt, sondern mit kostenlosem Kredit zum Kauf angeboten. Ein solches Teil kostet 75000 Schilling, das sind nicht mal 19€! Der Betrag wird dann je nach Möglichkeit in Raten vonn 5000 Schilling oder mehr angeboten. Hier war mein Timing auch schlecht, erst vor wenigen Tagen, wurde eine Ladung ausgeliefert...

Im Anschluss an das Treffen holten wir mir ein Busticket, nicht so einfach, dann war ich bei Pastor Moses zu Hause zum Abendessen eingeladen, zusammen mit einem anderen Deutschen. Er lebt schon eher in einfachen Verhältnissen, aber das Essen war sehr leckerund auch seine Frau sehr lieb! Allerdings war ich schon ziemlich platt, inzwischen war es 9 und ich seit 8 Uhr früh unterwegs. Danach brachte er mich heim. Dort wartete Neli auch nochmal mit Abendessen,  er hatte Garnelen für mich gebraten. Also gabs dort auch noch eine paar Löffel, bevor ich gegen halb 11 tot ins Bett fiel!

Es war ein echt beeindruckender Tag, der mir tolle Einblicke in das Leben hier gab. Das einzige, was ich nicht zu sehen bekam, war das Grundstück der Schule, die mit Hilfe aus Selb gebaut wird. Aber da gibt es außerdem Grundstück auch noch nichts und da das ziemlich außerhalb liegt, machte das auch wenig Sinn. Aber ich hab doch ein recht großes Vertrauen, dass das Geld dort gut angelegt ist...

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